Uniting Europe

Michael_Laitman-1953
Michael Laitman, Belarus, 1953

 

Der Großteil meiner Familie wurde vom Holocaust ausgelöscht. Als ein junges Kind im Nachhall einer solchen Katastroche aufzuwachsen, hat mein Leben in tiefster Weise beeinflusst. Nach Jahren der Suche nach Antworten wurde mir klar, dass es nicht ausreicht, uns und die Welt ständig an das zu erinnern, was passiert ist; wir müssen auch darüber reden, warum es passiert ist. An diesem Punkt möchte ich gern etwas zum Diskurs beitragen.
Unsere traditionellen Erklärungen für den Anstieg von Antisemitismus, die normalerweise von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchszeiten sprechen, davon, dass Juden einfache Sündenböcke seien, von Neid etc., sind allesamt falsch. Es scheint mir, dass unser Geschick als Juden darin besteht, eine Gesellschaft zu gründen, die auf Solidarität und auf wechselseitiger Verantwortung fußt, und die Prinzipien dieser Gesellschaft mit dem Rest der Welt zu teilen.
Man wird kaum einen Antisemiten finden, der nicht glaubt, dass Juden füreinander sorgen. Antisemiten befürchten, diese jüdische Solidarität könne gegen sie verwendet werden, und beschuldigen uns des Versuchs, die Medien zu dominieren, die US-Außenpolitik zu manipulieren, und was immer sonst noch vorgebracht wird. Doch gleichzeitig ist das einzige, was Antisemiten jeder Couleur eint – und das zeigten die Proteste während des Gaza-Kriegs im letzten Sommer zur Genüge – deren Hass auf Israel im Einzelnen und auf Juden im Allgemeinen.
Wir können nicht nachweisen, dass wir nicht wirklich verbündet, „miteinender verschworen“ sind, doch selbst wenn wir es könnten, würde das den Antisemitismus nicht mäßigen. Wir müssen das Gegenteil tun: zeigen, wie wir uns vereinigen, und die Welt daran teilhaben lassen.
Das einzige, was die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Krisen, die derzeit die Welt erschüttern, umkehren kann, ist die Solidarität. Doch leider weiß niemand, wie man sie etablieren kann. Wir Juden haben diese Fähigkeit in unseren „Genen“ latent veranlagt. Diese Eigenschaft müssen wir nun wieder beleben, mit der Welt teilen, und für die Völker dieser Erde zu einem Leuchtturm der Solidarität werden. Das ist die Bedeutung unserer Urbestimmung, „ein Licht für die Völker“ zu sein. Wenn wir den Weg der Solidarität gehen, statt uns mit dem sinnentleerten Versuch zu befassen, antisemitische Verelumdungen zu entlarven, werden wir endlich in der Lage sein, den Antisemitismus zu entwurzeln, und dabei viele Krankheiten unserer Welt zu heilen.
Der globale Anstieg des Antisemitismus erinnert uns daran, dass das, was im vergangenen Jahrhundert passierte, erneut passieren kann, wenn wir gleichgültig bleiben. Und er zeigt uns auch, dass unsere derzeitigen Bemühungen unzureichend sind. Lasst uns also unsere diesbezüglichen Anstrengungen auf eine neue Stufe bringen, indem wir zum Diskurs über die wahren Gründe des Holocausts ermutigen, vor allem unter jungen Menschen, die vom derzeitigen negativen Sentiment ihnen gegenüber am meisten beunruhigt sein sollten.

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