Uniting Europe

Was als Bewegung gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuer begann, hat den ohnehin leicht entflammbaren Antisemitismus in Frankreich rasch angeheizt. „Macron ist eine Hure der Juden, eine Marionette“ , erklärten Slogans auf Schildern und in den Gesängen der Demonstranten auf den Straßen. Die Opposition gegen Präsident Emmanuel Macron, bestehend aus Aktivitisten, die als „Gelbe Westen“ bezeichnet wurden, hat das Land in den letzten Wochen erschüttert.

Wer ist schuld, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen? Natürlich die Juden. Obwohl die sozialen Turbulenzen und der Aufruhr vorerst durch die von der französischen Regierung angebotenen Zugeständnisse gestoppt werden könnten, brachten die Proteste tief verwurzelte antisemitische Gefühle an die Oberfläche, die sich über soziale Medien ausbreiteten. Videos, die behaupten, dass „Juden die wahren Feinde” seien, kursieren im Internet. In diesen Videos werden die Juden beispielsweise „für die Senkung der Steuern für die Reichen und für die gesamte Finanzlage” verantwortlich gemacht.

Wie war es möglich, dass Juden in einem Protest gegen wirtschaftliche Maßnahmen und die Erosion des Lebensstandards in Frankreich zur Anlaufstelle für den Hass der Demonstranten geworden sind? Ohne Zusammenhang mit den Unruhen sind laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Europäischen Union etwa 95% der französischen Juden „sehr besorgt“ über den Antisemitismus in ihrem Land. Die Gretchenfrage ist: Was veranlasst Demonstranten, soziale Aktivisten und viele französische Prominente dazu, französische Juden zu ihrem Sündenbock zu machen?

Die Antwort auf diese beunruhigende Frage stammt von unseren Weisen aus dem Talmud. Wie es geschrieben steht: „Alle Leiden kommen nur für (wegen) Israel auf die Welt.“ (Talmud Bawli, Jebamot 63) „[…] das heißt wie es in „Tikunej Sohar“ heißt: „Sie rufen durch ihre Taten Hunger, Armut, Grausamkeit, Erniedrigung, Morde und Raub in der ganzen Welt hervor“ (Rav Yehuda Ashlag [Baal HaSulam], „Einführung in das Buch Sohar“).

Der entscheidende Faktor in der Gleichung ist das Leiden einer Person oder einer ganzen Nation. Wenn der Schmerz erträglich ist, dann kann man damit umgehen. Steigt der Schmerz jedoch über tragbare Grenzen hinaus, gehen die Massen auf die Straßen, um zu demonstrieren. Wenn das Leiden über alle Grenzen der Ausdauer hinausgeht, beginnt ein brennendes Gefühl von Hass zu wachsen, welches konzentriert und giftig gegen Juden gerichtet wird. In den Augen der Nationen der Welt wird das jüdische Volk als ein Volk gieriger Manipulatoren wahrgenommen, welche ein düsteres Schicksal verdienen.

Angesichts der derzeitigen Entwicklung in Frankreich herrscht in der jüdischen Gemeinschaft Unsicherheit darüber, was die beste Reaktion sei. Wie angekündigt werden einige Synagogen und Gemeindezentren aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen; Familien erwägen, nach Israel auszuwandern. Nichts davon wird jedoch die Situation verbessern. Es spielt ebenfalls keine Rolle, ob die französischen Demonstranten von Macron alles Geld der Welt erhalten, einschließlich Ferien an der französischen Riviera, der Hass wird für immer tief in ihren Herzen bleiben. Möglicherweise könnten wir für eine Weile die Flammen des Hasses eindämmen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Brand ausbricht. Beweise dafür liefert die Tatsache, dass den Reichen Frankreichs keine Mittel fehlen, viele von ihnen jedoch eindeutig Judenhasser sind.

Baal HaSulam beschreibt es wie folgt: „Es ist eine Tatsache, dass Israel von allen Nationen gehasst wird, sei es aus religiösen, rassischen, kapitalistischen, kommunistischen oder aus kosmopolitischen Gründen etc. Dies ist so, weil der Hass allen Gründen vorausgeht und jeder einzelne seine Abscheu nur gemäß seiner eigenen Psychologie definieren kann.“ (Schriften der letzten Generation).

Dieser Hass ist tatsächlich Ausdruck einer mächtigen Kraft innerhalb der Natur, die wir verstehen müssen. Nach der Weisheit der Kabbala wirken zwei entgegengesetzte Kräfte auf unsere gesamte Realität: die positive und die negative Kraft, die Kraft des Gebens und die Kraft des Empfangens, die Kraft der Verbindung und die Kraft der Trennung. Im Menschen bilden sich die Kräfte als Egoismus und Altruismus heraus.

Die negative Kraft wächst ständig in uns, und wenn sie ohne Hemmungen ausbrechen darf, manifestiert sie sich als übermäßige Selbstliebe, welche die Menschen spaltet und sich als Hass auf andere manifestiert. Die einzige Kraft, die diese egoistische Natur zurückhalten und nutzen kann, ohne sie aufzuheben, ist die positive Kraft der Natur – eine Kraft, die uns aus all unseren Spaltungen und Widersprüchen zu einem wohlgeölten System erheben kann, das harmonisch arbeitet.

Woher kommt diese entscheidende positive Kraft? Wo ist sie zu finden? Sie kann unter und zwischen den Juden selbst gefunden werden.

„ Das israelitische Volk“ , schrieb Baal HaSulam in seinem Artikel Die Bürgschaft (Arwut), „wurde […] als eine Art Tor (Durchgang, Passage) erschaffen, durch das die Funken der Reinheit über die ganze Menschheit scheinen sollen [,] bis sie soweit entwickelt sind, das Vergnügen und den Frieden zu verstehen, welche im Kern der Nächstenliebe stecken.“ Die gesamte Menschheit existiert in einem Netzwerk, welches die gesamte Realität als ein System enthält, in dem alle Teile voneinander abhängig sind. Wenn sich Juden einander nähern, dann dienen sie als Verbindungsstelle respektive Leitung, durch die eine positive und vereinende Kraft in die Welt fließt. Diese harmonisierende Kraft kann sich über das gesamte Netzwerk ausbreiten. Kurz gesagt wird diese von den Juden betriebene Kraft zu einem „Licht für alle Nationen“.

Im Gegenzug versinken die Menschen in der spaltenden Kraft, wenn die Welt diese vereinende Kraft nicht spürt. Die zwischen ihnen geschaffene negative Kraft wird unbewusst mit den Juden assoziiert und in Verbindung gebracht. Da die verbindende Kraft der Juden unter der Oberfläche schlummert, und Juden stattdessen mit sich selbst beschäftigt sind, fühlen die Nationen der Welt instinktiv, dass die Juden für jegliches Übel verantwortlich sind, und schreien, dass „Die Juden die wahren Feinde“ seien.

Warum beobachten wir dieses Phänomen momentan in Frankreich? Das liegt daran, dass es sich um eine hoch entwickelte Nation handelt, und dies ist der Grund, warum sie auf die Straße gehen müssen, um Veränderungen zu fordern, wobei sie instinktiv spüren, dass die Veränderung von den Juden ausgehen soll. Die Proteste der Gelbwesten sind nur eine Welle aus einem ganzen Tsunami von Protesten, welche die Menschen Europas und den Rest der Welt mitreißen könnten. Von Tag zu Tag erleben wir die Verstärkung der negativen Kraft im Netzwerk der Natur, die dazu führt, dass Menschen zusehends egoistischer anspruchsvoller werden. Wenn wir dieser negativen Kraft die Oberhand überlassen, dann werden wir häufiger Berichte über extremen Terror hören, wie den tödlichen Angriff auf einem Weihnachtsmarkt, der nicht zufällig in Straßburg, dem Sitzort des Europäischen Parlaments, stattgefunden hat. Genauso wie die Französische Revolution von 1789 eine Zeit des Aufruhrs und des Machtwechsels in der Geschichte Frankreichs eingeläutet hatte, könnten die Franzosen heute dazu bestimmt sein, eine neue soziale Revolution der Einheit und der Liebe herbeizuführen, die all ihre Energie und Wut in Kraft setzt, um die Juden aus Frankreich und aus anderen Ländern zu vereinen. Die positive Kraft ist im jüdischen genetischen Gedächtnis eingeprägt, und sie besitzen die bewährte Methode, um die gesamte Menschheit miteinander zu verbinden: die Weisheit der Kabbala. Daher wird bereits eine kleine Anstrengung aller jüdischen Menschen der Welt, sich in brüderlicher Liebe zu vereinen, die positive Kraft freisetzen und sie auf der ganzen Welt verbreiten. Die Wut auf den Straßen wird sich beruhigen und ein positiver Geist des Friedens und der Brüderlichkeit wird sich für die gesamte Menschheit offenbaren.

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